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Nepal: Wirtschaft

22.01.2019 - Artikel

Binnenwirtschaft

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 821,40 EUR (GTAI, prognostiziert für 2018) ist Nepal nach den Bürgerkriegsländern Jemen und Afghanistan das drittärmste Land Asiens und zählt weiterhin zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Im multidimensionalen Armutsindex von UNDP wird die Armut der Bevölkerung allerdings minimal geringer eingeschätzt als beispielsweise auch in Bangladesch oder Myanmar.

Der zehnjährige Bürgerkrieg hat die wirtschaftliche Entwicklung Nepals deutlich beeinträchtigt. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum bewegte sich in den letzten Jahren real zwischen 2 und 5 %. Es lag damit deutlich unter den Wachstumsraten der zwei großen Nachbarn Indien und China, aber auch von Bangladesch, deren wirtschaftliche Dynamik Nepal bislang nicht für sich nutzbar machen konnte. Die schweren Erdbeben vom April / Mai 2015 haben zu einem weiteren Einbruch der Wirtschaft geführt.

Die nepalesische Wirtschaft ist weitgehend privatwirtschaftlich verfasst, aber auch geprägt durch privilegierte Staatsunternehmen. Ausgeprägte Bürokratie, Korruption sowie unzureichende Infrastruktur beeinträchtigen das Investitionsklima.

Die subsistenz-orientierte Agrarwirtschaft erwirtschaftet mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und beschäftigt mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen. Trotz einer rapiden Urbanisierung leben noch immer 81 Prozent der Bevölkerung im ländlichen Raum.

Nepal hofft, bis 2030 in den Kreis der Länder mit mittlerem Einkommen aufzusteigen. Dies ist ambitioniert angesichts der Ausgangslage und mit Blick auf die enormen Herausforderungen, die mit dem Aufbau der neu eingerichteten föderalen Gebietskörperschaften zusammenhängen.

Positiv dürfte sich hingegen auswirken, dass Nepal über eine stabile Regierung verfügt, die eine Serie von Gesetzesprojekten zur Förderung von Auslandsinvestitionen und Binnenwirtschaft in Angriff genommen hat. Ein neues Arbeitsgesetz, das die bisher üblichen langen Streiks fast völlig beseitigt hat, ist bereits in Kraft.  

Der industrielle Sektor erholte sich 2016/17 und wuchs um 11 Prozent. Wichtige Impulse für das Baugewerbe gehen vom Wiederaufbau und den ins Auge gefassten Investitionen in Infrastrukturprojekte wie Straßen- und Kraftwerksbau aus.

Wachstumspotential für Nepal sieht die Weltbank in einer weiteren Modernisierung der Landwirtschaft, der Entwicklung der Wasserkraft und des Tourismus. Außerdem setzt sie auf die IT-Branche, für die inzwischen zahlreiche gut ausgebildete englischsprachige Fachleute zur Verfügung stehen. Nicht außer Acht lassen sollte man die industrielle Fertigung von Konsumgütern oder Zulieferungen für den Fahrzeugbau in Nischenbereichen. Der leichte Zugang zum indischen Markt kann für Investoren attraktiv werden. Die Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen im Süden des Landes mit verbesserter Stromversorgung, Steuererleichterungen und einer Ausfuhrverpflichtung von 80% der erwirtschafteten Leistung sollen zusätzliche Anreize bieten.

Zur Verbesserung der Transportinfrastruktur hat Nepal Absprachen mit Indien und China getroffen. Der Ost-West-Verbindung sollen erstmals Anschlüsse an das indische Netz hinzugefügt werden. Die chinesischen Absichten, den Anschluss an das chinesische Eisenbahnnetz herzustellen, sind demgegenüber trotz früherer Planungen aufgrund der Schwierigkeit des Terrains in einer Überprüfungsphase.

Dem einzigen internationalen Flughafen in Kathmandu, der überlastet ist, soll Erleichterung durch zwei neue internationale Flughäfen verschafft werden. Der Ausbau des Flughafens Bhairava im Süden, der den Terai und den Tourismusmagnet Lumbini erschließen soll, ist bereits relativ weit fortgeschritten und soll Ende 2019 oder Anfang 2020 eröffnet werden. Der Ausbau des geplanten internationalen Flughafens in Pokhara östlich des Kathmandutals hat noch nicht begonnen.

Staatshaushalt und Außenwirtschaft

Im Staatshaushalt (2018/19) sind 10.394.435,22 EUR an Ausgaben vorgesehen; die zu 22 % aus Krediten finanziert werden sollen. Allerdings vermindert ein schleppender Mittelabfluss für ambitioniert geplante Projekte das Defizit in der Regel erheblich. Der IWF lobt, dass steigenden Defiziten höhere öffentliche Investitionen gegenüber stehen.

Die Überweisungen nepalesischer Auslandsmigranten machen geschätzt zwischen 26 und 30 % des BIP aus – ein im internationalen Vergleich sehr hoher Anteil.

Sorge bereitet ein erst seit 2016/17 bestehendes Handelsbilanzdefizit, das aber zunächst weiter wachsen dürfte und im Dezember 2018 zu einem Leistungsbilanzdefizit von gut 671.883.645 EUR führte. Importe aus Indien decken einen Großteil des wachsenden Bedarfs der Bevölkerung an Konsumgütern sowie an Zulieferungen für die Industrie, einschließlich Energie für Spitzenzeiten.

Die Auslandsverschuldung lag nach Angaben der Asian Development Bank 2017 bei 3.575.195.295 EUR (etwa 16,3% des BIP) und damit im Rahmen dessen, was als tragfähig erachtet wird.

Exportgüter sind in erster Linie Textilien/Bekleidung, gefolgt von Nahrungsmitteln, Metallwaren, ausgewählten Rohstoffen und Kunsthandwerk. Aus Deutschland importiert Nepal vor allem Maschinen, medizinische Geräte und Fahrzeuge.

Im bilateralen Handel liegt Deutschland auf Rang drei der Abnehmerländer, nach Indien und den USA und auf Rang sieben der Hauptlieferländer. Das Handelsvolumen bleibt mit circa 50 Millionen Euro jährlich nach internationalen Maßstäben vergleichsweise niedrig.

Seit 2010 hat Deutschland die Rolle des Koordinators der internationalen Gebergemeinschaft zur Unterstützung der Umsetzung der nepalesischen Handelsstrategie übernommen.

Umwelt und Klima

Größte Umweltprobleme sind die Luftverschmutzung, besonders im Kathmandu-Tal , wo Verkehr und private Müllverbrennung sowie archaische Ziegelbrennereien Schaden anrichten. Außerdem erhöhen Abholzung und globale Erwärmung die Erosionsgefahr. Erdrutsche und Überschwemmungen nehmen zu. Luft- und Wasserverschmutzung sind zu beklagen.

Das Umweltbewusstsein ist in der Politik vergleichsweise groß, die Umsetzungsmöglichkeiten angesichts der Armut des Landes jedoch gering. Die Nutzung des riesigen Wasserkraftpotentials ist ein langfristiger Ansatzpunkt, um die durch Abholzung (zur Energiegewinnung) bedingte Erosion zu mindern. Über mehrere Projekte fördert Deutschland Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sowie die Förderung Erneuerbarer Energien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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