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Wirtschaft

24.02.2017 - Artikel

Stand: März 2017

Binnenwirtschaft

Der zehnjährige Bürgerkrieg hat die wirtschaftliche Entwicklung Nepals deutlich beeinträchtigt. Mit dem 2006 eingeleiteten Friedensprozess haben sich die politischen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft bislang nur wenig verbessert. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum bewegte sich in den letzten Jahren real zwischen 2 und 4 %. Es lag damit deutlich unter den Wachstumsraten der zwei großen Nachbarn Indien und China, deren wirtschaftliche Dynamik Nepal bislang nicht für sich nutzbar machen konnte. Die schweren Erdbeben vom April / Mai 2015 und die innenpolitische Krise nach Verkündung der neuen Verfassung (20.09.2015) haben zu einem weiteren Einbruch der Wirtschaft geführt, von dem sich das Land nur langfristig erholen wird.

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 733,7 US-Dollar (GTAI, prognostiziert für 2016) ist Nepal das zweitärmste Land Südasiens und zählt weiterhin zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Ein Viertel der Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Die nepalesische Wirtschaft ist faktisch weitgehend privatwirtschaftlich verfasst, aber auch geprägt durch starre sozialstaatliche Elemente sowie durch privilegierte Staatsunternehmen. Ausgeprägte Bürokratie sowie unzureichende Infrastruktur beeinträchtigen das Investitionsklima und damit die wirtschaftliche Entwicklung.

Nepal ist noch immer ein weitgehend von der Subsistenzwirtschaft geprägter Agrarstaat. Die Landwirtschaft beschäftigt mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen und trägt mehr als ein Drittel zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Der Anteil des verarbeitenden Sektors am BIP hingegen ist aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen für Industriebetriebe in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen.

Das größte Entwicklungspotenzial des Landes ist die bisher weitgehend ungenutzte Wasserkraft. Auch der bereits florierende Tourismus birgt noch großes Wachstumspotential, ebenso wie hochwertige (Kunst-) Handwerksprodukte und die Industriestandorte nahe der indischen Grenze.

Etwa 90 % aller Unternehmen des Landes sind Kleinbetriebe, die einen wichtigen Beitrag zur Beschäftigung leisten, aber nur 4% zum BIP beitragen. Die geschätzten sechs Millionen im Ausland lebenden Nepalesen tragen mit ihren Finanztransfers in die Heimat mit über 25% zum BIP bei. Diese Mittel führen jedoch kaum zu Investitionen, sondern fließen unmittelbar in den lokalen Konsum. Die Inflation ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und liegt aktuell bei etwa 8,5% (IWF, 2015).

Ausländische Direktinvestitionen machen nur einen sehr geringen Anteil am gesamten Staatshaushalt aus. Ein Drittel des Budgets wird von der Gebergemeinschaft im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit finanziert.

Außenwirtschaft

Die außenwirtschaftliche Situation Nepals ist geprägt von einem steigenden Handelsbilanzdefizit (in 2015 circa 5,95 Milliarden Euro). Es wird durch Überschüsse bei Dienstleistungen (insbesondere Tourismus) und Finanztransfers (Gastarbeiter- und Rentenüberweisungen) nicht mehr kompensiert. Die Regierung ist bemüht, die Importe zu reduzieren und einen weiteren Anstieg zu verhindern. Die Auslandsverschuldung lag nach letzten Angaben (IWF 2013/14) bei etwa 18,4% des BIP und damit im Rahmen dessen, was als tragfähig erachtet wird.

Exportgüter sind in erster Linie Teppiche, gefolgt von Bekleidung, Metallwaren, ausgewählte Lebensmittel und Kunsthandwerk. Der Anteil der Exporte am BIP fiel jedoch in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 20 % (2001) auf circa 11% (2015). Aus Deutschland importiert Nepal vor allem Maschinen, medizinische Geräte und Fahrzeuge.

Im bilateralen Handel liegt Deutschland auf Rang vier der Abnehmerländer, nach Indien, USA und Bangladesch und auf Rang fünf der Hauptlieferländer. Das Handelsvolumen bleibt mit circa 50 Millionen Euro jährlich nach internationalen Maßstäben vergleichsweise niedrig.

Seit 2010 hat Deutschland die Rolle des Koordinators der internationalen Gebergemeinschaft zur Unterstützung der Umsetzung der nepalesischen Handelsstrategie übernommen.

Umwelt und Klima

Größte Umweltprobleme sind die Luftverschmutzung, vor allem durch Verkehr und private Müllverbrennung, sowie die Erosionsgefahr durch Abholzung und globale Erwärmung. Erdrutsche und Überschwemmungen nehmen zu. Luft- und Wasserverschmutzung sind besonders im Kathmandu-Tal zu beklagen.

Das Umweltbewusstsein ist in der Politik vergleichsweise groß, die Umsetzungsmöglichkeiten angesichts der Armut des Landes jedoch gering. Die Nutzung des riesigen Wasserkraftpotentials ist ein langfristiger Ansatzpunkt, um die durch Abholzung (zur Energiegewinnung) bedingte Erosion zu mindern. Über mehrere Projekte fördert Deutschland Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sowie die Förderung Erneuerbarer Energien.

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