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Deutschland und Nepal: bilaterale Beziehungen

27.03.2019 - Artikel

Politik

Deutschland hat seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1958 Nepals Entwicklung als verlässlicher Partner und Freund begleitet. Dabei schätzte es stets Nepals  unabhängige, auf regionalen Ausgleich und Zusammenarbeit bedachte Außenpolitik in einer potentiellen Krisenregion. Auch während politischer und militärischer Wirren setzte sich Deutschland konsequent für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung und die Achtung der Menschenrechte ein.

In Fortsetzung dieser Tradition unterstützt Deutschland den 2006 eingeleiteten nepalesischen Friedens- und Demokratisierungsprozess, der mit dem Ringen um eine glaubwürdige Regelung zur Übergangsjustiz in eine abschließende, aber noch nicht gemeisterte Phase eingetreten ist. Außerdem bemühen sich Nepal und Deutschland gemeinsam, die Erfahrungen aus der Entwicklungszusammenarbeit für den wirtschaftlichen Neuanfang in Nepal zu nutzen, der eine gute Grundlage in privatwirtschaftlicher Initiative und Rechtssicherheit braucht, um der Bevölkerung als Ganzes die Vorteile der Entwicklung zu Gute kommen zu lassen.

Die Feiern zum 60. Jubiläum der diplomatischen Beziehungen 2018/19 unterstreichen die enge, vertrauensvolle und verlässliche Partnerschaft Nepals mit Deutschland als einem Tor zu Europa. Einer Eröffnungsveranstaltung im Mai 2018 mit Außenminister Gyawali folgte ein Jubiläumskonzert des Stuttgarter Kammerorchesters in Kathmandu - „vom Dach der Welt“ - am 29.12.2018. Den Abschluss wird eine Ausstellung zu den deutsch-nepalesischen Beziehungen und zur Energiewende in Deutschland im April 2019 bilden. Mehrere kleinere Konzert- und Diskussionsveranstaltungen bereicherten das Programm.

Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit Barbara Hendricks stattete im Frühjahr 2017  Nepal einen Besuch ab, fast gleichzeitig mit einer Delegation des Bundestages, die von Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth geleitet wurde. MdB Roth ermutigte das nepalesische Parlament zu einem selbstbewussteren Auftreten in globalen Umweltfragen. Im März 2019 besuchte die südasiatische Freundschaftsgruppe des Bundestags Nepal. Deren Vorsitzender kündigte an, dass Bundestag und nepalesisches Parlament eine engere Zusammenarbeit anstreben werden. Menschenrechtsfragen nahmen in diesen Gesprächen einen wichtigen Platz ein, u.a. die Notwendigkeit, die Belange der Opfer des Bürgerkriegs (1996-2006) bei der Aufarbeitung der Vergangenheit in den Mittelpunkt zu stellen. Außerdem unterrichteten sich die Parlamentarier bei ihrem Besuch im März 2019 über Möglichkeiten, Auslandsinvestitionen in Nepal zu fördern.

Nepalesische Fachminister haben in den letzten Jahren wichtige Messen (ITB, Internationale Grüne Woche) besucht. Im Juli 2018 hielt sich Außen-Staatssekretär Bairagi zu Konsultationen in Berlin auf.

Wirtschaft

Deutschland ist für Nepal ein wichtiger Absatzmarkt, insbesondere für Teppiche und Textilprodukte. Nepal importiert aus Deutschland vor allen Dingen Maschinen und industrielle Produkte. Die bilaterale Handelsbilanz verzeichnete in den vergangenen Jahren regelmäßig einen Überschuss zugunsten Nepals. Das jährliche bilaterale Handelsvolumen lag in den letzten Jahren relativ konstant bei gut 50 Millionen Euro. Ausnahmen bilden die Jahre 2015 und 2017, unter anderem wegen eines Flugzeugimports.

Ein Investitionsschutzabkommen besteht seit 1986. Eine 1990 gegründete Deutsch-Nepalesische Industrie- und Handelskammer (Nepal German Chamber of Commerce and Industry, NGCCI) in Kathmandu fördert die bilateralen Handelsbeziehungen.

Entwicklungszusammenarbeit

Nepal ist ein wichtiges Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Nepal dabei zu unterstützen, die Folgen des Bürgerkriegs zu überwinden und die Armut im Land langfristig zu lindern. Konkret konzentriert Deutschland seine Unterstützung auf die Verbesserung des Gesundheitswesens, die Förderung von erneuerbaren Energien (Solar-, Wasserkraft und Biogas) und Energieeffizienz sowie auf die Förderung von Handel und nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung. Deutschland koordiniert dabei derzeit auch die internationale Unterstützung zur Intensivierung des Außenhandels.

Nach den schweren Erdbeben vom April und Mai 2015 hat die Bundesregierung insgesamt 35 Millionen Euro für Humanitäre Hilfe und Wiederaufbauprogramme bereitgestellt.

Eine ebenfalls bedeutende Komponente des deutschen Engagements bildete die Förderung des Friedensprozesses im Land. Neben Beratungsleistungen sowie der Beteiligung am Nepal Peace Trust Fund, einem Fonds zur Finanzierung der im Friedensabkommen von 2006 niedergelegten Vereinbarungen, leistete Deutschland mit konkreten Maßnahmen zur beruflichen Aus- und Weiterbildung der ehemaligen maoistischen Kämpfer einen entscheidenden Beitrag zu deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Der Aufbau demokratischer Strukturen sowie der Schutz und die verbesserte Durchsetzung von Menschenrechten sind Deutschland ein wichtiges Anliegen. Das Auswärtige Amt unterstützt hier mit verschiedenen weiteren Projekten.

Die wichtigsten Durchführungsorganisationen der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ und die KfW Entwicklungsbank, sind in Nepal mit eigenem Personal vertreten. Daneben fördern mehr als 130 private Initiativen und Vereine aus Deutschland – zum Teil mit Unterstützung aus öffentlichen Mitteln – Projekte und Programme in Nepal.

Über sein bilaterales Engagement hinaus ist die Bundesrepublik auch durch Beitragszahlungen und andere finanzielle Leistungen maßgeblich an den Entwicklungshilfeleistungen der internationalen Organisationen, insbesondere der EU und der Weltbank, in Nepal beteiligt.

Kultur und Wissenschaft

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Humboldtstiftung verleihen regelmäßig Stipendien, insbesondere für Aufbaustudiengänge in Fachrichtungen, die für Entwicklungsländer von besonderer Bedeutung sind. Zurückgekehrte Studenten haben sich inzwischen aktiv in verschiedenen Stipendiaten- und Alumniorganisationen vernetzt. Im Januar 2019 hat die größte von ihnen, NEGAAS, mit dem Goethe-Zentrum in Kathmandu eine Übereinkunft zum Ausbau der Zusammenarbeit unterzeichnet. So soll die Sprachausbildung im Goethezentrum mit der Studienberatung verbunden und noch attraktiver gemacht werden.

Deutsch als Fremdsprache unterrichtet das „Goethe-Zentrum Kathmandu“ als Teil des Netzwerks des weltweit tätigen Goethe-Instituts. Die angebotenen Kurse sind sehr beliebt bei jungen Nepalesen, die sich zunehmend auch für ein Studium in Deutschland interessieren. Deutsch wird außerdem seit vielen Jahren auch an der Tribhuvan-Universität in Kathmandu gelehrt sowie seit 2010 auch (als zweite Fremdsprache neben Englisch) an zwei Schulen in Kathmandu im Rahmen der Partnerschulinitiative (PASCH). Insgesamt lernen derzeit mehr als 1.000 junge Nepalesen Deutsch, mit steigender Tendenz.

Nepal ist auch ein Schwerpunktland der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit bislang über 40 Forschungsvorhaben. 

Das Südasien-Institut der Universität Heidelberg ist in Kathmandu mit einer eigenen Repräsentanz vertreten. 

Seit vielen Jahren und ab 2016 zusammen mit der Gerda Henkel Stiftung fördert das Auswärtige Amt Projekte zur Restaurierung von kulturell oder religiös bedeutsamen Stätten in Nepal wie in den ehemaligen Königsstädten Patan und Bhaktapur im Kathmandutal. Deutsche Archäologen leisteten zudem bedeutsame Forschungsarbeit im Zuge von Ausgrabungen. Ein Kulturabkommen zwischen Nepal und Deutschland wurde 1992 unterzeichnet. 

Sehr positiv aufgenommen werden auch Kulturangebote wie Gastspiele deutscher Musikensembles sowie Malerei- und Fotoaustellungen. Die Deutsche Welle kooperiert mit mehreren Radio- und Fernsehstationen und regelmäßig werden nepalesische Journalisten zu Informationsprogrammen oder Fortbildungen nach Deutschland eingeladen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Nepal ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen derzeit vor allem in drei Bereichen: Gesundheitswesen, kommunale Selbstverwaltung und erneuerbare Energien. Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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